Wir lieben den Mittelstand

Die Mittelstandsvereinigungen in Kaarst und im Rhein-Kreis feierten gestern 30-jähriges Bestehen. Die Redner hielten sich nicht mit Rückschauen auf. Die Zukunft will mitgestaltet sein. Denn die Marktwirtschaft ist in der Krise.VON CHRISTOPH KLEINAU

RHEIN-KREIS NEUSS Dr. Josef Schlarmann ließ seinen Zug fahren. Denn was der Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der CDU gestern seinen Kollegen der MIT-Kaarst und der MIT im Rhein-Kreis Neuss im Kreishaus Grevenbroich zu sagen hatte,wollte er nicht zum knappen Grußwort verkürzen: Die soziale Marktwirtschaft - in der Krise. Planwirt-
schaft im Gesundheitswesen, regionale Monopole etwa bei den Energieversorgern, ein Arbeitsmarkt, der den Zusatz „Markt" nicht verdient.
So hatten sich das die Väter dieser Marktordnung nicht gedacht. Die Balance zwischen wirtschaftlicher Vernunft und sozialer Verantwortung sieht Schlarmann gestört, den Staat weiter auf dem falschen Weg, Sozialstaatlichkeit mit Umverteilung gleich zu setzen. Ansatzpunkte genug, um als Mittelstand die Stimme zu erheben, als „Reformmotor in der Union" (Schlarmann) Korrekturen anzumahnen. Schön, wenn man gebraucht wird. Dieses Gefühl verlieh nicht nur Schlarmann den vielen Gästen, die gestern mit ihm das 30-jährige Bestehen der MIT im Kreis feierten. Die Liste der Redner war lang, ihr Credo ebenso übereinstimmend wie eindeutig; „Mittelstand ist nicht alles, aber ohne Mittelstand ist alles nichts", wie es Heijo Drießen auf den Punkt brachte, der MIT-Kreisvorsitzende. Kreisdirektor Hans-Jürgen Petrauschke stellte klar, warum die mittelständische Wirtschaft so wichtig ist: „Sie bietet die meisten Arbeitsplätze, schafft die meisten Ausbildungsplätze, erwirtschaftet insgesamt die größten Umsätze."



Klar, dass sie alle Verantwortlichen im Kreishaus ganz fest ins Herz geschlossen haben. Petrauschke: „Wir schätzen unsere Großunternehmen - aber wir lieben den Mittelstand." Für den wollen Politik und Verwaltung auch etwas tun. Nicht nur,in dem sie sich um das Gütesiegel „Mittelstandsfreundliche Verwaltung" bemühen und entsprechende Standards entwickeln. Direkt vor Ort geht es auch um direkte Aufträge. RWE-Power investiert am Standort Grevenbroich 2,3 Milliarden Büro in den Kraftwerksbau, nannte Axel
Prümm ein Beispiel, der sich als Bürgermeister in Grevenbroich dafür einsetzt, „diese Summe letztlich beim Mittelstand landen zu lassen."
Dass auch die Landesregierung hilft, machte Hendrik Wüst deutlich, der Generalsekretär der Union. Er nutzte die Plattform in Grevenbroich , um die Landespolitik - vom Verkauf der LEG-Wohnungen bis zur Einrührung der Studienbeiträge - zu erklären. Dass die MIT den jüngsten Vorstoß bei der Hartz-IV-Gesetzgebung kritisiert, verschwieg er nicht.Aber: Man bleibe im Gespräch.



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Positive Entwicklung

Die Mittelstandsvereinigungen Kaarst wie auch im Kreis haben die Trendwende geschafft:
Mitgliederzahlen steigen.In Kaarst seit 2003 von 50 auf 211 kreisweit von 260 auf 470.
Das lobte auch der CDU-Generalsekretär Hendrik Wüst: „Landesweit die einzige CDU-Gliederung positiver Mitgliederentwicklung."